ZEIT 4

Zeitreise in die letzten 50 Jahre

Wie wäre es denn mit einer Reise in die vergangenen 50 Jahre? Wenn Sie an manche Vorstellungen Ihrer Eltern denken, die sich von Ihren unterscheiden, wissen Sie schon, was damals anders war. Sehen Sie sich doch mal diese Seite an. Auch hierzu gibt es Aufgaben! Sehe 6) Zeitreise in die letzten 50 Jahre.

Auch interessant: http://www.size-interaction.de/gad/zeitreise/zeitreise.html

Haben Sie interessante Dinge entdeckt? Gibt es große Unterschiede zwischen den Jahrzehnten? Und wie war es damals in Ihrem Heimatland?
Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären wieder 14 Jahre alt und Ihre Eltern hätten völlig andere Vorstellungen davon, wie Sie Ihre Freizeit verbringen sollten. Welche Unterschiede könnte es da geben? Und wie würden Sie damit umgehen? Sehen Sie  noch einmal auf das Aufgabenblatt! (Generationskonflikt)

Briefe in die chinesische Vergangenheit

Wollen Sie mitkommen auf eine richtig große Zeitreise? Eine doppelte Zeitreise? Dann lesen Sie doch einen Ausschnitt aus einem deutschen Roman.

Der Roman heißt Briefe in die chinesische Vergangenheit (Herbert Rosendorfer, 2002. Briefe in die chinesische Vergangenheit. München: dtv.)

Der Autor nimmt uns mit ins China des 10. Jahrhunderts. Nein, falsch, Kao-tai aus China im 10. Jahrhundert kommt zu uns. Er hat mit seinem Freund Dji-gu einen Zeitkompass gebaut und wollte tausend Jahre in die Zukunft reisen. Aber er hat nicht daran gedacht, dass die Erde sich dreht und deshalb ist er an einem völlig anderen Ort gelandet.

Lesen Sie den Klappentext des Buchs.

Was wissen Sie denn über China im 10. Jahrhundert? Sammeln Sie Informationen im Internet.

Stellen Sie sich einmal vor, jemand kommt aus dieser Zeit nach Deutschland im 21. Jahrhundert. Welche Schwierigkeiten wird er haben? Was wird ihn überraschen? Was wird ihn schockieren?

So, los geht’s im Text. Die Aufgaben dazu finden Sie auf dem Aufgabenblatt unter 7) Briefe in die chinesische Vergangenheit.

Und wundern Sie sich nicht über die Schreibweise mancher Wörter wie „daß“,
es handelt sich hier um die alte deutsche Rechtschreibung.

Geliebter Freund Dji-gu

Abschnitt 1

… Die Reise selber verlief ganz ohne Schwierigkeiten und war das Werk eines Augenblicks. ....

Die Brücke, auf der ich erwachte oder ankam, ist ganz anders als die  Brücke, auf der ich Dich verließ. Sie ist nicht mehr aus Holz, sondern aus Stein, offensichtlich ziemlich lieblos zusammengefügt. Alles „hier“ ist lieblos gemacht. Ich dachte: Zum Glück haben die nach tausend Jahren immer noch eine Brücke an derselben Stelle. Es hätte ja sein können, daß sie, nachdem die alte Holzkonstruktion verfault oder sonst zusammengebrochen war, den neuen Übergang etwas weiter oben oder unten errichtet hätten. Dann wäre ich ins Wasser gefallen, was natürlich unangenehm, aber nicht gefährlich gewesen wäre, denn der „Kanal der blauen Glocken“ ist längst nicht mehr so tief, wie Du ihn kennst, allerdings äußerst schmutzig. So ziemlich alles hier ist äußerst schmutzig. Schmutz und Lärm – das beherrscht das Leben hier. Schmutz und Lärm ist der Abgrund, in den unsere Zukunft mündet.

 

Bevor Sie weiterlesen, eine kurze Unterbrechung: Stellen Sie sich vor, ein Außerirdischer kommt von einem anderen Planeten auf die Erde und sieht Menschen. Was an ihrem Aussehen wird er komisch finden? Was fänden Sie komisch?

Genau richtig. Die Dinge, die anders sind, fallen zuerst auf.

Abschnitt 2

Ich richtete mich also auf, stellte meine Reisetasche ab und schaute mich um. … Es näherte sich, erschrick nicht, ein Riese. Er war ganz in komische graue Kleidung gehüllt, die völlig unnatürlich waren, hatte eine enorm ungesunde bräunliche Gesichtsfarbe und als auffallendstes eine riesige, eine unvorstellbar große Nase; mir schien, seine Nase macht die Hälfte des Körpervolumens aus. Der große Fremde blickte aber, wie mir schien, nicht unfreundlich. Er wollte über die Brücke gehen, blieb jedoch stehen, als er mich sah.

 

Jetzt kommt es noch schlimmer für den armen Kao-tai. Ein echter Kulturschock ...

Abschnitt 3  

 Ich kann das Mienenspiel unserer Nachfahren noch nicht richtig deuten. (Sie sind uns so unähnlich, daß ich mich frage: Sind sie es wirklich? Wirklich unsere Nachfahren, unsere Enkel?) Ich lerne auch erst, ihre Gesichter zu unterscheiden. Das ist sehr schwer, denn sie sehen alle gleich aus und haben alle gleich große Nasen. Daß jener Riese – oder jene Riesin, auch das Geschlecht ist kaum zu unterscheiden -, der erste Mensch, den ich nach meiner Reise von tausend Jahren sah, keine drohende Haltung einnahm, glaubte ich zu erkennen. Vermutlich war er so erstaunt, mich zu sehen, wie ich ihn. Ich ging auf ihn zu, verbeugte mich und fragte: „Hoher Fremdling oder hohe Fremdlingin! … Kannst du mir sagen, ob hier einst das Gartenhaus meines Freundes, des erhabenen Mandarins Dji-gu, stand?“

Der Riese verstand aber offensichtlich nichts von meiner Rede. Er sagte etwas in einer mir völlig unverständlichen Sprache, das heißt: er brüllte mit so tiefer Stimme, daß es mich fast über das Brückengeländer warf, und ich hätte sofort die Flucht ergriffen, wenn sich nicht inzwischen eine größere Anzahl weiterer Riesen angesammelt hätte, dich mich alle anstarrten. Ich war ganz verzweifelt.

… Der Zeitpunkt ist gekommen, um diesen Brief an den Kontaktpunkt zu legen. Ich schließe deshalb für heute. Es umarmt seinen geliebten Dji-gu

 

sein Freund Kao-tai

Wie hat Ihnen die Geschichte bisher gefallen? Ihnen sind sicher noch einige mögliche Konfliktsituationen eingefallen. Nachdem Sie so viel über Pünktlichkeit und monochrone und synchrone Kulturen gelernt haben, können Sie ja einmal darüber nachdenken, wie ein Mandarin aus dem 10.Jahrhundert die monochrone deutsche Kultur empfinden würde. Und wie ist das heute?

Der Autor hat versucht, seine eigene Kultur, die deutsche, aus einer fremden Perspektive zu beschreiben. Können Sie das auch? Sehen Sie noch ein letztes Mal auf das Aufgabenblatt.

 




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